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Als hätte der Himmel mich vergessen – Amelie Sander

Worum geht es in dem Buch „Als hätte der Himmel mich vergessen“ von Amelie Sander?

 

Amelie Sander wurde in den 60er Jahren geboren und wuchs mit ihrem Vater, ihrer Stiefmutter und ihrem Halbbruder auf. Sie wurde vor allem von ihrer Stiefmutter und deren Familie physisch und psychisch auf systematische und ganz abscheuliche Weise misshandelt. Als junge Erwachsene gelang ihr die Flucht aus ihrem Elternhaus. Doch sie musste erst lernen, sich in der Welt zurechtzufinden, wurde sie doch von ihrer Stiefmutter eingesperrt und von allem ferngehalten. Dabei erhielt sie große Unterstützung von Bekannten. In ihrem Buch beschreibt sie detailliert die grausamen Machenschaften ihrer Familie, aber auch wie sie es geschafft hat, zu fliehen und wie ihr leben „danach“ aussah.

 

Warum empfehle ich euch das Buch „Als hätte der Himmel mich vergessen“?

 

„Als hätte der Himmel mich vergessen“ behandelt eines meiner großen Herzensthemen: Kindesmisshandlung. Im Grundgesetz steht „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Kinder sind auch Menschen! Leider vergessen das viele Sorgeberechtigte bzw. Erwachsene. Ich bin selbst Mutter und ich liebe Kinder und es ist mir unbegreiflich, wie jemand fähig sein kann, einem schwächeren, von einem abhängigen Menschen schlimme Dinge anzutun. Seit November 2000 steht Kindesmisshandlung – sowohl physische als auch psychische – unter Strafe. Und trotzdem sind viele Kinder immer noch physischer und psychischer Gewalt in ihren Familien und in ihrem Umfeld ausgesetzt. Darum ist es wichtig, dass Opfer  wie Amelie Sander ihre Geschichten erzählen und davon, was diese Gewalt mit ihnen gemacht hat, damit endlich auch der letzte Erwachsene verstanden hat, dass Kinder ein Recht auf Unversehrtheit haben!

Das Buch ist stellenweise schockierend und ich musste öfter eine Pause einlegen, weil ich vor Tränen nichts mehr gesehen habe (Achtung Triggerwarnung!). Aber gleichzeitig ist es so lebensbejahend und stimmt mich hoffnungsvoll. Dass es Menschen gibt, die nicht wegsehen, dass es Hilfe gibt und dass man auch die schlimmsten Situationen überleben kann.

*

 

Gibt es ein Gesetz, das Misshandlung von Kindern verbietet?

 

§225 StGB (STRAFgesetzbuch)

Mißhandlung von Schutzbefohlenen

(1) Wer eine Person unter achtzehn Jahren oder eine wegen Gebrechlichkeit oder Krankheit wehrlose Person, die

1. seiner Fürsorge oder Obhut untersteht,
2. seinem Hausstand angehört,
3. von dem Fürsorgepflichtigen seiner Gewalt überlassen worden oder
4. ihm im Rahmen eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses untergeordnet ist,

quält oder roh mißhandelt, oder wer durch böswillige Vernachlässigung seiner Pflicht, für sie zu sorgen, sie an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) Auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr ist zu erkennen, wenn der Täter die schutzbefohlene Person durch die Tat in die Gefahr

1. des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung oder
2. einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung

bringt.

(4) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 ist auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen des Absatzes 3 auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen.

Quelle: https://dejure.org/gesetze/StGB/225.html – dort findet ihr auch damit verknüpfte Paragraphen, z. B. zur Verjährung.

 

Wann verjährt die Straftat der Kindesmisshandlung bzw. des -missbrauchs?

 

Die Verjährung ruht bis zum vollendeten 30. Lebensjahr des Opfers, das heißt die Verjährungsfrist beginnt erst ab da und beträgt dann je nach Straftatbestand und der zugehörigen maximalen Freiheitsstrafe entweder 5 oder 10 Jahre. Das bedeutet, dass ein Kind im minder schweren Fall bis zum Ende seines 35. Lebensjahres Anzeige erstatten könnte, in schweren Fällen bis zum vollendeten 40. Lebensjahr.

Amelie Sander setzt sich dafür ein, diese Frist zu erhöhen, da gerade Kinder schwer traumatisiert sind und sich oft erst sehr spät trauen, überhaupt mit jemandem über ihre Gewalterfahrung zu sprechen oder den Mut zu fassen, sich gegen die Eltern zu stellen.

 

Wohin kann man sich als Opfer wenden?

 

In erster Linie macht es natürlich Sinn, die Polizei zu verständigen und Anzeige zu erstatten. Allerdings sind viele Opfer dermaßen eingeschüchtert und es wurde ihnen eingeredet, selbst schuld zu sein, so dass sie sich häufig nicht trauen, zur Polizei zu gehen. Es gibt jedoch einige gute Hilfsorganisationen an die man sich wenden kann und die einen beraten und unterstützen (man findet welche im Buch, hier mal eine Auswahl von mir, ich habe alle E-Mail-Adressen und Webseiten verlinkt, du musst nur draufklicken):

 

WEISSER RING e.V.

E-Mail: info@weisser-ring.de

Website: www.weisser-ring.de

Bundesweites kostenfreies Opfertelefon: 116 006

 

Wildwasser 

Verein gegen sexuellen Missbrauch

E-Mail: info@wildwasser.de

Website: www.wildwasser.de

Unter dem Menüpunkt Adressen gibt es auf der Website einen Suchfilter zu Beratungsstellen in der Nähe

 

Deutsches Institut für Psychotraumatologie e.V.

Beratungsstelle für Gewalt- und Unfallopfer

E-Mail: beratungsstelle@psychotraumatologie.de

Website: www.psychotraumatologie.de

 

gegen-missbrauch e.V.

Verein für Opfer von sexuellem Missbrauch

E-Mail: verein@gegen-missbrauch.de

Website: www.gegen-missbrauch.de

Auf der Website gibt es unter dem Menüpunkt Hilfestellen eine Umkreissuche für Beratungsstellen und Kliniken

 

Nummer gegen Kummer e.V.

Website: www.nummergegenkummer.de

Hotline: 116 111 (bundesweit und kostenlos) – Beratungszeiten montags bis samstags 14 bis 20 Uhr

Online-Beratung: klicke hier

 

Wohin kann ich mich wenden, wenn ich aufhören möchte, meinem Kind Gewalt anzutun, aber nicht weiß wie?

 

Den wichtigsten Schritt hast du bereits getan: du hast dir eingestanden, dass du ein Problem hast und du möchtest dich verändern. Wenn man selbst nie gelernt hat, Konflikte anders zu lösen als mit Gewalt, ist es natürlich schwierig andere Strategien zu finden, Schwierigkeiten mit seinen Kindern ohne Gewalt zu lösen. Aber es geht! Wirklich! Versuch es!

Bei der Nummer gegen Kummer e.V. gibt es ein kostenloses Elterntelefon. Dort kannst du dich anonym beraten lassen.

Website: www.nummergegenkummer.de

Telefon: 0800 111 0 550

Beratungszeiten: montags bis freitags 9 bis 11 Uhr, dienstags und donnerstags 17 bis 19 Uhr

Was kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, dass ein Kind misshandelt wird?

 

Wenn man den Verdacht hat, dass ein Kind aus seinem Umfeld (Verwandtschaft, Nachbarschaft, Schule, Kindergarten) misshandelt oder missbraucht wird, finde ich persönlich es wichtig, selbst im Verdachtsfall und auch wenn man befürchtet falsch liegen zu können, trotzdem die Polizei oder das Jugendamt zu informieren. Dies kann man auch anonym machen.

Was passiert im Fall, dass man sich geirrt hat? Nicht viel. Die Familie wird überprüft, vielleicht ärgern sich die Eltern, oder sind peinlich berührt, aber das wars – tatsächlich wird niemandem einfach auf Verdacht das Kind weggenommen. Was aber wenn das Kind tatsächlich misshandelt wird? Dann nimmt man dem Kind die Chance, Hilfe zu erhalten. Also: Bitte verständige unbedingt die Polizei oder das Jugendamt.

Und wenn du siehst, dass ein Kind geschlagen oder grob behandelt wird oder beschimpft und erniedrigt wird, schreite ein! Das Argument „man mischt sich nicht in die Erziehung ein“ zählt in dem Fall nicht. Hier geht es ganz klar und in erster Linie darum, das Kind zu schützen. Sag „Stop“ und verständige umgehend die Polizei.


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